Das wollt´ich ja schon lange mal machen,
meine Haus-Straßenbahn mal in voller Länge befahren. Von einer maximalen Endstation bis zur anderen.
Einmal quer, nein eher längst, von Süd nach Nord, durch Duisburg und zurück.
Am Sonntag, da kann da doch nicht so viel Betrieb sein, hab ich mir gedacht.
Weit gefehlt!
Du sollst das Leben in vollen Zügen genießen, war angesagt.
Ansonsten erwartungsgemäß. In den entsprechenden Stadtteilen die entsprechenden Fahrgäste.
Ausländeranteil im Mittel, und ich mach das nur an der Sprache fest, nicht etwa an Hautfarbe oder Aussehen, etwa 90%. Ganz im Süden und ganz weit im Norden deutlich weniger.
Wobei die Fahrt im Norden ja bis Dinslaken Hauptbahnhof ging.
Dort mußte der Straßenbahnfahrer mal (bis dahin dauerte die Fahrt ja auch schon über eine Stunde, weshalb die Rückfahrt mit 10min Verspätung begann. Ok, da steht eh an jeder Haltestelle im Display "...verkehrt mit Verspätung weil...". Das steht immer da. Man könnte auch Strom sparen und ein festes Schild anbringen.
Dann kam noch ein Erlebnis der besonderen Art.
Kaum waren die beiden mir gegenüber befindlichen Sitzplätze eine Sekunde frei, saßen (mehr oder weniger) da zwei kleine Kinder, offensichtlich Geschwister. Nationalität oder Herkunft anhand der Sprache für mich nicht herauszufinden. Trotz Geschreie zwischen diesen und der Mutter (nehme ich mal an), die ich ob des Füllstand des Waggons nicht sehen konnte. Mädchen, ich schätze mal 3 und Junge, geschätzte 4 oder 5. Schuhe aufm Sitz oder an meine Beine stoßend oder beim schnellen Aussteigen auch auf meinem sich abstoßend.
Gut, gut, auf der gesamten Fahrt war mir schon aufgefallen, daß Leute mit Kindern, mit denen sie lautstark kommunizierten, oder vorgaben das zu tun, absolute Narrenfreiheit genießen.
Nun aber zum Wesentlichen.
Beide, Mädchen mit Schnuller im Mund und auch der Junge hatten iPhones in Händen und waren damit zu Gange. Wie alt kann ich bei den Ei-Geräten nicht abschätzen, aber ihr güldenes und auch seines sahen noch ganz passabel aus und die hatten keinen Glasbruch, wie ich es anhand der sonstigen Fahrgäste mittlerweile für total normal halte. Tröstet mich mit meinem nicht wirklich, jedoch scheine ich dann auch in dieser Hinsicht zu den Normalos zu gehören.
Ist schon interessant, was da heute so abgeht, oder?
Neben dem Schnuller braucht das Kind ab 3 ja schon mal ein güldenes iPhone, damit es weniger stört.
Alle älteren eh, ist doch klar. Vor den Fernseher setzen war mal früher.
Abenteuer ÖPNV, sag ich ja, da kann man was erleben, und mal wieder unter Leute kommen.
Zum guten Schluß, wegen erhöhtem Verkehrsaufkommens, verkündete der Straßenbahnfahrer seinen Fahrgästen gen Hüttenheim (Endstation im Süden), daß diese Fahrt dann nur bis Rheintörchen gehen würde und man mit der nachfolgenden Bahn weiterfahren möge.
Supi! Nein, die sind nicht total bescheu... Nein, die denken nur anders.
Ausgestiegen stand da in der Anzeige, daß nachfolgender Zug so in etwa 33min eintreffen werde.
Wie man ja weiß haben die ja dort diese flexiblen Minuten und eine Bahn kann oder kann auch nicht irgendwann kommen.
Egal, ich hatte eh lang gesessen und war vom Sportspaziergang zum MLCD-Schreibtisch eigentlich ganz angetan.
Nur das mit "von einer Endstation bis zur anderen zu fahren" funktionierte so nur relativ.
Aber ich bin doch schon ganz schön weit gekommen, oder?
Und was gelernt hab ich auch wieder.
